
Seit fast fünf Jahren nun besteht das Projekt zur Wiederansiedlung des Europäischen Nerzes im Saarland. Ziel ist es, eine in ganz Europa stark vom Aussterben bedrohte und in Deutschland bereits ausgestorbene Tierart in ihrem ursprünglichen Verbreitungsgebiet wieder zu etablieren. Neben dem Projekt im Saarland gibt bzw. gab es lediglich zwei Ansiedlungen in Deutschland (beide in Niedersachsen am Steinhuder Meer und an der Hase).
Als Kernzone für die Ansiedlung der Nerze im Saarland wurde das Gebiet der ILL und ihrer Nebenbäche ausgewählt, da hier infolge zahlreicher Renaturierungsmaßnahmen und Schutzgebietsausweisungen ein für den Nerz optimaler Lebensraum entstanden ist. Ob die hier angesiedelten Nerze dies allerdings genauso sehen, bzw. welche Faktoren heute tatsächlich eine Rolle spielen bei der Wahl des Lebensraumes, der Ausbreitung oder Dezimierung einer Population, ist bisher noch nicht hinreichend bekannt. Um Antworten auf diese Fragen zu finden und diese Erkenntnisse dann bei zukünftigen Ansiedlungen berücksichtigen zu können, werden die Nerze mittels Radiotelemetrie und Lebendfang kontrolliert. Dabei werden Informationen zur Standortwahl, Aktivitätszeiten, inner- und zwischenartige Konkurrenz und der Konstitution der Individuen gesammelt.
Zum Lebendfallenfang werden Holz- und Drahtkastenfallen verwendet. Um den Tieren den Aufenthalt in der Falle so angenehm wie möglich zu machen, werden die Fallen von außen verblendet (Feuchtigkeits- und Sichtschutz) und von innen mit Heu ausgepolstert und mit einem schmackhaften Köder bestückt. Die Fallen werden entlang der Bachläufe verteilt und zweimal täglich kontrolliert. Wird nun ein Nerz in einer Falle gefangen, so wird er identifiziert (alle angesiedelten Tiere tragen einen Mikrochip), gewogen und wieder freigelassen. Diese Prozedur dauert weniger als fünf Minuten und schreckt viele Nerze nicht davon ab, in der nächsten Nacht wieder eine Falle aufzusuchen. Das bedeutet aber leider nicht, dass es ein Kinderspiel ist, einen Nerz zu fangen, im Gegenteil, laut den Erfahrungen der letzten Jahre müssen durchschnittlich 16 Fallen für 10 Tage fängig stehen, um einen Nerz zu fangen - Nerzfang ist also eine mühsame Aufgabe!
Leider wurden in der Vergangenheit viele Fallen gestohlen. Dies ist doppelt ärgerlich für die Arbeit des Projektes, da zum einen ein finanzieller Schaden entsteht und zum anderen die Datenerfassung mangels Material behindert wird.
Daher eine Bitte an alle Naturfreunde: Fallen stehen lassen!
Für Hinweise über Nerzsichtungen oder den Verbleib der verschollenen Fallen sind wir dankbar.
Bei Fragen rund um das Projekt und den Europäischen Nerz stehen wir gerne zur Verfügung (06827/9029211).
Weitere Informationen zur aktuellen Situation der Nerze im Saarland gibt es auch unter www.euronerz.de!